Anonymous ruft zu Börsenblockaden auf

Bankrun

#occupybankenviertel / #occupywallstreet

Das Aktivist*innenkollektiv Anonymous und Protestierende der spanischen Demokratiebewegung ruft nach dem Beispiel der Besetzung des Mailänder Börsenplatzes vom vergangenen Montag dazu auf, am 17. September das US-Finanzzentrum in New York zu blockieren. Im Rahmen der Aktion #OCCUPYWALLSTREET will man „Zelte, Küchen und friedliche Blockaden aufbauen“, um den Handelsplatz für ein paar Wochen lahnzulegen. Auch vor der Frankfurter Börse soll ein Protestcamp errichtet werden.
Sorgenumwölkte Minen von Wertpapierhändler*innen vom Frankfurter Börsenparkett blicken derzeit wieder von den Titelseiten deutscher Tageszeitungen. Die Weissagungen im kapitalistischen Gläserrücken verheißen nicht viel Gutes, so sehr drückt die multiple Schulden-Währungs-Wirtschaftkrise auf die Stimmung der Anleger*innen an den weltweiten Börsen.

Der Funken des aktiven Widerstands gegen ein selbstbezogenes Wirtschaftssystem, für den menschliche Bedürfnisse nur instrumentelle Bedeutung haben, ist nun auch bei der internationalen Aktionskollektiv von Anonymous angekommen, das man vor dem Jahr 2011 eher mit äußerst anerkennenswertem Online-Widerstand gegen Regierungen und Unternehmen im Bereich Freie Inhalte und informationelle Freiheit und Selbstbestimmung in Verbindung gebracht hätte.

„Der Machtmissbrauch und die Korruption von Firmen, Banken und Regierungen enden hier!“ – Mit dem selbstbewusst gesteckten Ziel mehrwöchigen Blockaden der Wall Street und weiterer Finanzplätze, darunter Tokyo, Frankfurt und London, zu denen die Netzaktivisten gerade weltweit mobilisieren, soll diesmal zur Abwechselung wieder offline interveniert werden. Hinter dem Aufruf steckt ursprünglich das Konzept der konsumkritischen Organisation „Adbusters Media Foundation“ ( http://www.adbusters.org/campaigns/occupywallstreet) von Juli 2011, die nach Vorbild der Proteste des Arbischen Frühlings eine Kampagne mit dem Namen „US Days of Rage“ ins Leben gerufen hat. Die Adbusters rechnen dagegen für den 17. September mit 20.000 Demonstrant*innen in Downtwon Manhattan und betonen zusammen mit Anonymous den friedlichen Charakter der Maßnahme zivilen Ungehorsams.

Am gleichen Tag moblisieren die Gruppen auch weltweit zu Protesten gegen die Börsen von Tokio, Toronto, Madrid, San Francisco, London, Sydney, Mailand und eben – Frankfurt am Main.

Auf unerfahrene Strukturen oder völlig ins Leere muss der Anonymous-Aufruf zum Campieren im Frankfurter Bankenviertel indes nicht stoßen. Bereits im vergangenen Jahr 2010 plante die „Aktionsgruppe Georg Büchner“ unter dem Motto »Es reicht. Zentrale Akteure und Profiteure der Wirtschafts- und Finanzkrise blockieren«, für den 18. Okotober 2010 zentrale Verkehrsknotenpunkte um die Deutsche Börse in der Mainmetropole zu besetzen. Die in der kapitalismuskritischen Linken nicht unumstrittene Aktion wurde damals weniger wie jetzt von Online-Aktivisten oder Sympathisanten der „Echte Demokratie Jetzt“-Protestierenden getragen, sondern maßgeblich von ATTAC, verschiedenen Krisenbündnissen, der Interventionistischen Linken (IL), Erwerbslosengruppen und Linkspartei-Mitgliedern organisiert. Sie wurde damals am 24. September vom Koordinierungskreis selbst abgesagt ( http://www.dazwischengehen.org/story/2010/09/bankenblockade-am-18-oktober-abgesagt).

Ob die Straßen um die Frankfurter Börse am 17. September voller Zelte oder zumindest Blockierender sind, ist wie bei jedem Internetaufruf zu #REVOLUTIONEVERYWHERE und „REVOLUTIONAGAINSTEVERYTHING Glaskugelei. Zumal der Effekt auf den Aktienhandeln an einem handelsfreien Samstag nicht groß ausfallen wird.

In jedem Fall brauchen wir für organisierten massenhaften zivilen Ungehorsam heute keine Alpha-Wölfe mehr…

„The antiglobalization movement was the first step on the road. Back then our model was to attack the system like a pack of wolves. There was an alpha male, a wolf who led the pack, and those who followed behind. Now the model has evolved. Today we are one big swarm of people.“ – Raimundo Viejo, Pompeu Fabra University, Barcelona

Ankündigung der Aktion auf dem Infoblog Anonops.blogsport.com
http://anonops.blogspot.com/2011/08/occupy-wall-street-occupywallstreet_10.html

Die Kampagnenseite der Gruppe Adbusters
http://www.adbusters.org/campaigns/occupywallstreet

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1 Antwort auf „Anonymous ruft zu Börsenblockaden auf“


  1. 1 Frank Poschau 02. November 2011 um 10:20 Uhr

    Industrialisierung
    Weberaufstände, es brach heraus,
    Dreck, Hunger, Rücken zur Wand,
    Arbeiter, Leid, auf die Straße raus,
    Hungernd zur Waffe, fester Stand.

    Maschinen erdacht, für den Profit,
    Kessel unter Druck, zu jeder Zeit,
    Arbeiter ersetzt die Kohle schiebt,
    Wachstum, Gier, für Herrlichkeit.

    Herrlichkeiten sich Kriege erdacht,
    Massen geblendet für Nationalität,
    wieder in den Hunger gebracht,
    ködernd, Demokratie, Solidarität.

    Leistungen sollten sich lohnen,
    Arbeiten gegen das Arbeitslose,
    gefesselt mit Krediten wohnen,
    nie Zeit, Essen aus der Dose.

    Was als Wert mal unterlegt,
    wird verwässert, verspekuliert,
    Gesellschaft wertlos untergeht,
    wir als Kindermörder tituliert.

    Industrialisierung ohne Wert,
    der Fortschritt Rückschritt ist,
    machen wir nicht bald kehrt,
    sich die Masse selber frisst.

    Frank Poschau
    21.10.11

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