Euro segelt durch stürmische Gewässer: Portugal, Spanien & Italien nächste Pleitekandidaten

Der Brand auf der grünen Insel im hohen Norden scheint gelöscht. EU und IWF haben das marode Irland mit einem 85 Mrd. Euro schweren Rettungspaket soeben vor der Pleite bewahrt. Doch am Mittelmeer lodern bereits die nächsten Brandherde.
An den internationalen Finanzmärkten wird bereits eifrig darauf gewettet, dass Portugal, Spanien und auch Italien als nächste in den Abwärtsstrudel geraten und bald Zuflucht unter dem Euro-Rettungsschirm suchen könnten. Für die gemeinsame Europäische Währungsunion würde das eine nie dagewesene Zerreißprobe bedeuten.

Portugal, das vergleichsweise arme Land im äußersten Südwesten des Kontinents, hat zwar gesündere Banken als Irland, leidet aber unter einem schwachen Wachstum und einem hohen Budget-Defizit. Finanzwissenschafter Johannes Becker von der Universität Münster hat zu Portugal eine klare Meinung: Das Land sollte ebenfalls unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen, damit sich die trotz Irland-Hilfe weiterhin nervösen Märkte wieder beruhigen. Eine Gefahr für die Stabilität des Euro bedeuteten Hilfen für das südeuropäische Land nicht. „Portugal ist einfach zu klein: Es hat ein Bruttoinlandsprodukt von 170 Mrd. Euro“, sagte der Forscher. „Das ist im Vergleich zu den 2,4 Bill. Deutschlands sehr wenig. Wir sollten Portugal ruhig schnell unter den Schirm nehmen.“

Um die Krise in den Griff zu bekommen, hat die portugiesische Regierung zuletzt ein rigides Sparprogramm in Angriff genommen. Es herrscht dringender Handlungsbedarf: Die Neuverschuldung Portugals erreichte im vergangenen Jahr den Rekord von rund 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im nächsten Jahr soll das Budget-Defizit auf 4,3 Prozent gedrückt werden. Unter anderem sollen die Ausgaben für Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst um 5 Prozent gekürzt, die Mehrwertsteuer von 21 auf 23 Prozent angehoben werden. Außerdem werden Sozialleistungen gekürzt und die Renten eingefroren. Die Portugiesen haben nach Bekanntwerden der Sparpläne sofort mit einem Generalstreik, der das Land weitgehend lahmgelegt hat, geantwortet.

Zerreißprobe für Euro-Gruppe

Viel schlimmer wäre es jedoch, wenn das weitaus größere Spanien ins Schuldenloch abstürzen würde und unter den Rettungsschirm schlüpfen müsste, denn das Land verfügt über einen wichtigen Bankensektor. Und: Die Risikoaufschläge auf spanische Anleihen kletterten zuletzt auf den höchsten Stand seit 2002. Wenn Spanien und Portugal sich nicht selbst aus der Schuldenfalle befreien können, droht ein Domino-Effekt, der die gesamte Eurogruppe vor eine noch nie dagewesene Zerreißprobe stellen könnte. Dann wäre wohl auch nicht mehr ausgeschlossen, dass einzelne Länder wie Deutschland, Niederlande oder Österreich im Verbund eine eigene Eurozone eröffnen oder im schlimmsten Fall sogar wieder zu ihren alten Währungen zurückkehren.

Doch dieses Schreckensszenario will sich derzeit noch niemand ausmalen. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero wird nicht müde zu betonen, dass es „absolut ausgeschlossen“ sei, dass Spanien wie Irland auf den Euro-Rettungsfonds zurückgreifen müsse. Doch auch Griechenland, das heuer bereits 110 Milliarden Euro an Notkrediten von EU und IWF erhalten hat, und Irland haben bis kurz vor dem offiziellen Ansuchen um ein Rettungspaket, noch ausgeschlossen, Hilfe von außen zu benötigen. Am Schluss kam es ganz anders.

Quelle: news.at

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1 Antwort auf „Euro segelt durch stürmische Gewässer: Portugal, Spanien & Italien nächste Pleitekandidaten“


  1. 1 Finanznachrichten.info Trackback am 11. Januar 2011 um 12:22 Uhr
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