Stehen wir vor einer Revolution?

Der französische Fußballer Eric Cantona war ein Weltstar, und auf dem Platz meist sehr wütend. Nun attackiert er das System und ruft zum Banken-Sturm auf

„Es dreht sich um die Banken. Es basiert auf der Macht der Banken. Also kann es nur durch die Banken zerstört werden“, erklärt der ehemalige Profi-Kicker in einem Interview der Tageszeitung Presse Océan, das gefilmt wurde und auf YouTube mit mehr als 130.000 Klicks ein Renner ist: Unterschätze niemals die Macht der Massen: Respekt eines Fans aus Liverpool, hieß einer der Kommentare. Revolution kann sehr einfach sein.

Politische Bewegung oder nur idiotisch?

In dem Spot macht es sich Cantona bequem und plaudert, ein graubärtiger, Bonvivant im knallroten Pullover, er könnte für einen Alt-68-er herhalten. Mais non! Unter dem Pflaster liegt der Strand? Wie altmodisch. Wer heute mit Plakaten auf die Straße gehe, „der betrügt sich selbst“, findet der 44-Jährige, der mal ein Rebell war. Die 3 Millionen, ach, 10 Millionen, sollen stattdessen lieber zur Bank gehen und ihr Geld abheben, „und dann brechen die Banken zusammen“. Und als Folge dann eben nicht nur das Finanz – sondern das gesamte System. Ohne Waffen und ohne Blut – „das ist heute die wahre Revolution“, sagt Cantona noch lässig. Sie steht in Frankreich ja irgendwie oft vor der Tür, gefühlt ist immer Vorabend, so als könne es jeden Moment losgehen – und sei es in Form eines neuen theoretischen Manifestes.

Nun hat der Untergrund ein berühmtes Gesicht. Das Netzwerk Attac hat das Cantona-Video auf Facebook verlinkt, es gibt mittlerweile Facebook-Kampagnen in Italien, Rumänien, Bulgarien und sogar Korea. Die französische Initiative StopBanque hat den 7. Dezember zum Tag X ausgerufen, an dem die gemeinsame Abhebe-Protest-Aktion losgehen soll, mehr als 14.000 Bürger wollen bereits mitmachen. Und schon soll die andere Welt wieder möglich sein. Auf der Webseite Bankrun2010.com schreiben die Organisatoren: Unsere Aktion ist eine politische Bewegung, wir möchten niemanden einzelnen zerstören, sondern das korrupte, kriminelle, scheinheilige System. Auch die Gewerkschaften sollen eingeschaltet werden. Man hofft auf einen Bankencrash. Wenn der kleine Mann sein Konto leerräumt und es mehr werden, die ihm folgen, können Privatkundenbanken rasch ein Liquiditätsproblem bekommen. Und das fürchten sie.

Mais non! Sie hätte lachen müssen, über den „in jeder Hinsicht idiotischen Appell“, sagte eine Mitarbeiterin der französischen Bankenfederation dem Observer. Banken seien nunmal dazu da, Geld zu sichern – und der Tag X würde Dieben und Bankräubern eine große Chance bieten. Aber Madame. Was ist schon der Überfall auf eine Bank, gegen das Gründen einer Bank? Cantona hat seinen Brecht gelesen.

Quelle: der Freitag

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1 Antwort auf „Stehen wir vor einer Revolution?“


  1. 1 milestone 04. Dezember 2010 um 11:25 Uhr

    ja – es wird zeit dass die bürger wieder verantwortung übernehmen und der politik, den banken, versicherungen, immobiliengesellschaften und allen die unproduktiv und spekulativ mit geldern der anderen umgehen, die macht kappen. verweigert den kapitaldiktaturen und -dikatatoren mit dem einzigen was sie haben – unsere geld. 4.12.2010

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