Eurokrise ist schlimmer denn je zurück

Es sah aus, als sei das Ärgste überstanden. Doch jetzt ist die Eurokrise zurück, schlimmer denn je: Wie konnte es so weit kommen?


Als mit Jahresbeginn 2002 der Euro in zunächst zwölf Ländern die alten Währungen ablöste, da wurde das in Wien, Paris, Rom und anderen Metropolen des Kontinents mit großen Feuerwerken begrüßt.

Die Währungsunion wurde als historischer Meilenstein in der Geschichte der europäischen Einigung gefeiert. Noch die Urgroßväter und Großväter hatten einander am Isonzo, in Verdun, am Rhein und an den anderen Schicksalsorten zweier großer Kriege abgeschlachtet. Jetzt teilte man das gleiche Geld. Die Euphorie war groß.

Acht Jahre später ist der Jubel der nackten Panik gewichen. Die Springflut, die nach dem Kollaps der US-Bank Lehmann Brothers über die europäischen Märkte hereinbrach, hat auch die Einheitswährung gefährlich ins Rutschen gebracht. Einst Stolz der Europäer, entpuppt sich der Euro als Achillesferse.

„Wir sind in einer Überlebenskrise“, schlägt EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy Alarm. Ein Ende der Euro-Zone würde unweigerlich auch das Ende der EU bedeuten.

Dabei hatte es im Frühjahr noch so ausgesehen, als könnten die Europäer mit einem beispiellosen Kraftakt das Blatt zu ihren Gunsten wenden.
Trügerische Ruhe

Bei einem Gipfel am 8. Mai spannten die Regierungschefs einen gigantischen Rettungsschirm, um das hoch verschuldete Griechenland vor dem Staatsbankrott und die Währungsunion vor der drohenden Kernschmelze zu bewahren. Dazu wurde von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein 750 Milliarden Euro schweres Notpaket für Athen und andere akut gefährdete Euroländer geschnürt.

Ein halbes Jahr später ist die Euro-Krise wiedergekehrt und sie ist gefährlicher denn je. Die Konsolidierungsfortschritte in Griechenland bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Ja, um das Land steht es sogar noch schlechter als befürchtet.

Damit nicht genug. Jetzt ist es das durch seine maroden Banken hart an den Abgrund geratene Irland, dem Europa helfen will, um den Euro zu retten. Noch wehrt sich der Patient gegen die bittere Medizin. Aber sobald Dublin darum bittet, werden die EU und der Internationale Währungsfonds Kredite bereitstellen. Darauf haben sich die EU-Finanzminister jetzt in Brüssel verständigt.

Auch das schuldengeplagte Portugal erwägt ein Hilfsansuchen. Für beide Länder wäre unter dem Rettungsschirm noch Platz, ist zu hören. Die wahre Gefahr lauert woanders. Sie geht von Spanien aus. Zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone erbringt das Land. Das ist dreimal so viel wie Irland und Portugal zusammen.

Verlieren die Märkte das Vertrauen in Spanien, da sind sich alle einig, wird es dramatisch.

Dabei handelt es sich bei Irland und Spanien durchaus um wettbewerbsfähige Länder. Anders als das im Würgegriff von Korruption und Misswirtschaft befindliche Griechenland, das jahrelang frisierte Zahlen nach Brüssel meldete, waren beide Länder lange Zeit europäische Musterschüler. Ihre plötzliche Schwäche hat nicht mit einem wuchernden Staat zu tun, sondern hat ihre Ursache in der maßlosen Gier ihrer Privatwirtschaft.

Für die Märkte spielt der Unterschied keine Rolle. Da Anleihen aus den Krisenländern hohe Zinsen bringen, werden sich die Anleger in aller Ruhe einen Wackelkandidaten nach dem anderen vornehmen. Die Zeche zahlt am Ende der Steuerzahler. Anstatt zum Signal gegen Spekulanten ist der Rettungsschirm zum Anreiz für Finanzhaie geworden.
Konstruktionsfehler

Viele Ökonomen meinen, jetzt räche sich eben, dass die Euroländer als Lehre aus der griechischen Tragödie sich bis jetzt nicht zu Regeln für eine geordnete Pleite für Staaten unter der Beteiligung privater Gläubiger durchringen konnten. Andere sehen die Wurzel allen Übels in einem Konstruktionsfehler der Währungsunion. Schon bei ihrer Gründung hatte es nicht an Stimmen gefehlt, die warnten, Staaten mit so unterschiedlicher Wirtschaftskraft auf Gedeih und Verderb aneinanderzuketten, ohne eine echte politische und wirtschaftliche Union zu schaffen.

Die niedrigen Zinsen, die die Gemeinschaftswährung mit sich brächte, würden die Wirtschaft in südlichen Ländern anheizen und langsam aber sicher überhitzen. Irgendwann würde die Blase platzen – mit fatalen Folgen für den Euro, mahnten die Propheten des Untergangs damals. Sie könnten recht behalten haben.

Quelle: Kleine Zeitung

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2 Antworten auf „Eurokrise ist schlimmer denn je zurück“


  1. 1 LAM 20. November 2010 um 9:29 Uhr

    Geld = Kredit
    Kredit = Schuld
    ergo bedeuted Geld = Schuld

    Zahlt man alle Schulden zurück, ist keine Geld mehr in Umlauf. Jedoch besteht dann immer ncoh die Zinsschuld. Die kann nie bezahlt werden, da das Geld dafür gar nicht in Umlauf ist.
    Wer mehr erfahren will über das Betrugssystem „Geld“, kann dies bei
    www.liebeangelamerkel.de tun.
    Die Initiative kämpft für Aufklärung und ein gerechtes Geldsystem.

  2. 2 Artikel Schreiber 21. November 2010 um 17:27 Uhr

    Seit dem der Euro eingeführ wurde, gibt es nur Probleme. Nich nur deutchland sondern auch andere Länder liden unter der Eurokrise wie zum Beispiel Griechenland und jetzt alle anderen. Ich finde man sollte die DM wieder einführen. Was meine sie?

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