Franzosen planen Ansturm auf Banken

Quelle: Artikel erschienen am 28.10 in der Wiener Zeitung

Wien. (wak) Der Zorn auf die Banken beflügelt die Fantasie der Protestierenden. Zwar wird inmitten aller Sparpakete am heutigen Freitag – wie jedes Jahr seit 1925 am letzten Werktag im Oktober – der Weltspartag gefeiert. Und zwar, um den Gedanken des Sparens und seine Bedeutung für die Volkswirtschaft zu nähren, so die Intention.

Die Gedanken einer Protestbewegung, die derzeit auf diversen französischen Social Media Seiten verbreitet werden, gehen in die exakt entgegengesetzte Richtung: Am 7. Dezember sollen so viele Menschen wie möglich ihr Konto bei der Bank auflösen und ihre Sparguthaben abziehen. Die vor zwei Wochen gestartete Aktion „Stop Banque“ hat sich binnen kürzester Zeit viral verbreitet und verfügt schon über einige Ableger in deutscher, englischer und italienischer Sprache. Auf der ursprünglichen Seite haben inzwischen 13.600 Menschen ihre Teilnahme signalisiert. Banken sollen gezielt in die Pleite getrieben werden – also genau jenes Szenario, das die gewählten Volksvertreter mit milliardenschweren Bankenhilfspaketen seit knapp zwei Jahren zu verhindern suchen. Ein organisierter Banken-Run seitens der Zivilbevölkerung, der sogar, je nach Teilnehmer-Dichte, funktionieren könnte. „Sie (die Banken) sind nur so groß, weil wir auf den Knien sind“, heißt es kämpferisch im Aufruf.

Wie kommt man auf die Idee, den Banken absichtlich das Genick zu brechen? Weil Demonstrationen offenbar nichts mehr nützen, schreiben die anonymen Initiatoren in Frankreich. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy zeigte sich jedenfalls bisher betont unbeeindruckt von den Massenprotesten aufgrund der geplanten Erhöhung des Pensionsantrittsalters im Zuge des Sparpakets.

Gestern, Donnerstag, gaben die Gewerkschaften nicht auf, obwohl die Nationalversammlung die umstrittene Reform am Vortag bereits genehmigt hatte. Dem landesweiten Aufruf zum Protest folgten nach Angaben von Gewerkschaften und Arbeitgebern deutlich weniger Menschen als an den vorherigen Aktionstagen. Wegen der Streiks fiel am Donnerstag trotzdem ein Drittel der Flüge am Pariser Flughafen Charles de Gaulle aus, am Flughafen Orly musste die Hälfte der Flüge abgesagt werden.

Griechen streiken weiter

Obwohl die Streiks in den Raffinerien nachgelassen haben, ist mancherorts weiterhin das Benzin knapp. Vor allem rund um Paris und im Westen Frankreichs sind einige Tankstellen immer noch geschlossen. Vor dem Hafen von Marseille liegen etwa Dutzende Tanker vor Anker – die Protest der Hafenmitarbeiter dauern bereits einen Monat.

Damit beweisen die Franzosen den bisher längsten Atem. In Spanien war der Generalstreik binnen Tagen erledigt. Aber in Griechenland flammt der Protest wieder auf. Die ganze Woche wurde wichtige Bahnverbindungen (etwa zwischen Athen und Thessaloniki, sowie die Verbindung zum Flughafen mit der Hauptstadt) bestreikt. Die Gewerkschaft versucht sich, gegen die Teilprivatisierung der Bahn zu stemmen, die der Internationale Währungsfonds der griechischen Regierung nahegelegt hat.

Aus Protest gegen ihre bevorstehende Entlassung haben gestern, Donnerstag, wieder rund 50 Angestellte des griechischen Kulturministeriums auf der Akropolis in Athen demonstriert. Ein Sprecher erklärte, es bliebe ihnen keine andere Möglichkeit, als auf diese Art zu demonstrieren. Und dass, obwohl die Mitarbeiter erst vor zwei Wochen mit Tränengas-Einsatz von der Akropolis vertrieben worden waren. Auch gestern stürmte die Polizei schließlich das Wahrzeichen, um die Ministeriumsmitarbeiter zu vertreiben.

Die größte Gewerkschaft in Griechenland hat für den 15. Dezember zum Generalstreik aufgerufen. Die portugiesischen Gewerkschaften haben wiederum aus Protest gegen die Politik zu einem Generalstreik am 24. November ausgerufen.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Add to favorites
  • MySpace
  • PDF
  • RSS
  • StumbleUpon

1 Antwort auf „Franzosen planen Ansturm auf Banken“


  1. 1 WPrib 30. Oktober 2010 um 9:49 Uhr

    Ich finde es ganz gut, dass sich endlich die Menschen zusammenschließen und den Bankstern ein Zeichen setzen. Anstatt das Geld der Bürger zu vermehren, vernichten diese Bankster es nur!

    Für mich habe ich in „Sportwetten-Arbitragen“ eine Alternative zu Bank-Sparprodukten gefunden. Die Gewinne daraus sind viel höher, steuerfrei, garantiert und ich habe mein Geld nur ein paar Tage gebunden. Einen Teil dieser Gewinne lege ich zur Vorsorge in Edelmetalle an, das schützt mich vor der Inflation und der totalen Geldentwertung.

    Das Bankennetzwerk benutze ich nur mehr für Geldtransfers.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



kostenloser Counter