Bankencrash von unten

Quelle: Artikel erschienen am 29.10 in der Financial Times Deutschland

Drei junge Leute aus Frankreich machen ihrem Ärger über den Mangel an Reformen des Finanzsystems Luft. Sie wollen am 7. Dezember eine Finanzkrise auslösen – und jeder kann mitmachen! von Christian Cohrs

Ein wenig klingt es ja schon nach Rache, was die Gruppe mit dem Namen Stopbanque vorhat: Möglichst viele Leute, so ihr Aufruf, der derzeit im Web kursiert, sollen sich am 7. Dezember weltweit auf den Weg zu ihrer Bank machen und dort sämtliches Geld abheben, das auf ihren Giro- und Sparkonten lagert. Das, so hoffen die Initiatoren, werde das internationale Finanzsystem ins Wanken bringen. Vielleicht nicht so stark, wie es Lehman Brothers und AIG gelang, doch immerhin so merklich, dass Banker und vor allem Politiker den Volkszorn zu spüren bekommen – und endlich strengere Regeln für die Finanzmärkte beschließen.

Inzwischen hat die Aktion mehrere europäische Ableger gefunden, unter anderem in Italien, Großbritannien und auch in der Sparbuchnation Deutschland. Und damit gäbe es tatsächlich eine reelle Chance, die Finanzmärkte zu schocken. Immerhin werden die Bürger hierzulande im Jahr 2010 nach einer aktuellen Prognose der Deutschen Bundesbank 11,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Seite legen. Und wenn die Garantie der Bundesregierung für private Spareinlagen einen Anhaltspunkt für die Summe aller Einlagen liefert, handelt es sich insgesamt um mehr als 500 Mrd. Euro. Das sollte reichen, um ein wenig Krise zu spielen – vorausgesetzt natürlich, jeder Deutsche folgt dem Aufruf von Stopbanque.

Doch allzu sehr müssen sich wohl weder Bankmanager noch Schalterbeamte vor dem 7. Dezember fürchten. Denn von den Zehntausenden, die die Initiatoren und ihre Mitstreiter über ihre französische Facebook-Seite eingeladen haben, bestätigten bislang gerade einmal 7300 Leute ihre Teilnahme. Und zugleich hagelte es schon über 25.000 Absagen. In den anderen Ländern sieht die Quote zwar etwas besser aus, doch auch hier überwiegen die Absagen.

Hinter der Aktion stehen Yann Sarfati, Arnaud Varnier und Geraldine Feuillien – drei junge Leute, die frustriert sind von den unergiebigen Protesten auf der Straße, und einen alternativen Weg suchen, ihrem Ärger über den Mangel an Reformen des Finanzsystems Luft zu machen.

In aller Ruhe, aber in Massen
Die drei bezeichnen sich in bester französischer Revolutionärstradition als Citoyens, also Bürger. Am Tag der Aktion, so hoffen sie, sollen lange Schlangen vor den Bankschaltern stehen. Ganz so wie 2007, als die Kunden in ganz Großbritannien die Filialen der ins Trudeln geratenen Bank Northern Rock belagerten, um ihr Erspartes zu retten. Mit einem entscheidenden Unterschied jedoch: Anders als damals sollen die Menschen diesmal nicht aus Panik die Banken stürmen. Sie sollen vielmehr in aller Ruhe und in Massen die Kreditinstitute aufsuchen, um „die abgehobenen Eliten zum Zittern zu bringen“, wie es in einem Aufruf von Stopbanque heißt.

Ob das klappt, ist fraglich – vor allem angesichts der Kommentare, die Besucher auf der Aktionsseite bei Facebook hinterlassen. Diese bekunden in der Mehrheit zwar große Zustimmung. Der Großteil will gern mitmachen. Viele sehen jedoch ganz praktische Probleme: Sie erwarten am 7. Dezember ihr Gehalt – oder haben gar kein Geld auf ihrem Konto, das sie abheben könnten.
Doch auch an diese Bürger haben die Initiatoren gedacht. Dem Aufruf, der inzwischen in diversen Blogs kursiert, ist ein Formschreiben an die „lieben Banker“ angehängt, das den Protest zumindest in Worte fasst. Außerdem werden damit die Banker selbst zur Teilnahme aufgefordert. Denn sie wüssten ja schließlich selbst am besten, dass in ihrer Branche so einiges im Argen liege.

Inzwischen hat die Aktion mehrere europäische Ableger gefunden, unter anderem in Italien, Großbritannien und auch in der Sparbuchnation Deutschland. Und damit gäbe es tatsächlich eine reelle Chance, die Finanzmärkte zu schocken. Immerhin werden die Bürger hierzulande im Jahr 2010 nach einer aktuellen Prognose der Deutschen Bundesbank 11,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Seite legen. Und wenn die Garantie der Bundesregierung für private Spareinlagen einen Anhaltspunkt für die Summe aller Einlagen liefert, handelt es sich insgesamt um mehr als 500 Mrd. Euro. Das sollte reichen, um ein wenig Krise zu spielen – vorausgesetzt natürlich, jeder Deutsche folgt dem Aufruf von Stopbanque.

Doch allzu sehr müssen sich wohl weder Bankmanager noch Schalterbeamte vor dem 7. Dezember fürchten. Denn von den Zehntausenden, die die Initiatoren und ihre Mitstreiter über ihre französische Facebook-Seite eingeladen haben, bestätigten bislang gerade einmal 7300 Leute ihre Teilnahme. Und zugleich hagelte es schon über 25.000 Absagen. In den anderen Ländern sieht die Quote zwar etwas besser aus, doch auch hier überwiegen die Absagen.
„Diese ‚Revolution‘ möchte ich gerne sehen“, kommentiert ein User namens Thibault Marrec entsprechend spöttisch. Und irgendwie sieht es bereits jetzt danach aus, dass die Aktion kippt und sich in einen Vertrauensbeweis für die Banker verwandelt. Vielleicht ist das ja auch der effektivere Weg zu einer wirklich großen fiesen Finanzkrise.

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